Stereogucki selbst gebaut

Wie man bald feststellen wird, ist dieser Betrachter nicht gerade sehr handlich, und der nächste Schritt besteht darin, ein etwas vornehmeres Gerät zu bauen. Mit wenigen Handgriffen ist dies möglich. Außer den zwei zuvor benutzten Betrachtern werden noch eine Metallspange (z.B. aus einem Schnellhefter) und etwas Klebeband benötigt. Die Betrachter werden nach Abbildung vier zusammengefügt. Ein recht tauglicher Betrachter ist somit fertig.

 
                            

           Abb.4  Stereogucki mit Metallspange


Es gibt aber auch noch elegantere Lösungen, von denen mir folgende besonders gut gefällt. Wieder werden dazu zwei Diabetrachter benötigt, die diesmal auf eine andere Weise zusammengefügt werden. Kleine zuvor bearbeitete Metallstreifen dienen hierbei als Verschiebevorrichtung anstelle der oben verwendeten Metallspange. Diese werden mit Sekundenkleber befestigt. Weitere Details finden sich in Abbildung fünf. Dem erfinderischen Geist sind hier keine Grenzen gesetzt, so kann zum Beispiel auch ein Stückchen Schaumgummi als Verbindung der beiden Betrachter dienen. Für alle Stereobetrachter eignet sich am besten eine konische Gehäuseform.
 

              

             Abb.5 Stereogucki mit individueller Anpassung des Augenabstandes

Bisher ist nur das Linsenbetrachtersystem beschrieben worden, welches jedoch nur eine Betrachtungsmöglichkeit darstellt. Wie schon erwähnt, ist für den dreidimensionalen Eindruck die Trennung von rechtem und linkem Halbbild wichtig. Diesem Tatbestand kann man auf verschiedene Art und Weise gerecht werden.

 

Linsenbetrachtersystem selbst gebaut

Im Laufe der Zelt habe ich mir ein für meine Zwecke recht praktisches Betrachtersystem zugelegt, welches mit wenig handwerklichem Aufwand nachgebaut werden kann. Beabsichtigt man jedoch, die Bilder zu projizieren, so sind einige kleine Abänderungen vorzunehmen. Das System besteht aus einem zerlegbaren Betrachter mit Beleuchtung sowie zur Lagerung der Stereodias in umgebauten Diamagazinen. Der Betrachter bietet einen frei verstellbaren Augenabstand der Linsen und Entfernungseinstellung zwischen Lupen und Dia. Die Handhabung wird im Gegensatz zum Guckibetrachter dahingehend vereinfacht, daß nur noch ein Doppelrähmchen In den Betrachter gesteckt werden muß.

Als Werkstoffe benötigt man zwei Leselupen mit etwa sieben Zentimetern Brennweite (für ca. DM 5 Im Optikergeschäft erhältlich), Holz (Holzleisten, Sperrholzbrettchen); eine Lampenfassung, Glühbirne (15W), Elektrokabel, Alufolie, blaue Wasserfarbe, ein Stück Milchglas und zwei kleine U-förmige Metalleisten.

Als Basis dient ein T-förmig aus 2 x 3cm starken Leisten zusammengeleimtes Stück Holz. Beide Hölzer sind 9 cm lang. Das Querholz wird durch eine 2 x 2cm messende Leiste erhöht. In die Mitte des Längssteges wird ein Sperrholzbrettchen (5mm) geleimt, welches ca. 5.5cm lang und 5cm hoch ist. Auf eine weitere Leiste (13.0 x 1.5 x 3.0) werden zwei Holzstücke (5.0 x 2.1 x 3.0) im Abstand von 3.1cm geleimt. Das zuletzt beschriebene Teil dient als Schieber, und somit ist es nötig, etwas Spiel zu lassen. Auf die Unterseite wird nun noch ein dünnes Sperrholzbrettchen geklebt. Dieser Schlitten dient später als Bildhalterung und kann auf die Lupenhalterung (Abb. 10) geschoben werden. An die Lupenhalterung wird noch ein Griff (Rundholz oder bearbeitete Latte) geklebt und in das Querholz eine Aussparung für die Nase geraspelt.
 

             

       Abb.10  Der Haltegriff (mit Lupenhalterung)

 

                                

    • Abb.11  Der Schlitten


In den Schlitten werden auf der Oberseite zwei Löcher Im Abstand von 10.5cm gebohrt, in die ca. 7cm lange Stücke der Profilleisten eingelassen werden. Bei der Wahl des Abstandes der Löcher werden zwei Diarähmchen, die zuvor zusammengeklebt wurden, als Maß verwendet. Der Abstand der Profilleisten stimmt, wenn sich das Doppelrähmchen ohne zu haken zwischen den Leisten verschieben lässt.
Auf eine Seite des Schlittens wird nun eine 13.0 x 8.0cm große Mattglasscheibe geklebt. Auf den Lupenhalter werden die zuvor präparierten Lupen (Innenränder sind abgeschliffen worden) mit Holzschrauben befestigt. Nun Ist der Betrachter bereits gebrauchsfertig, jedoch damit nicht genug.
Zur Ausschaltung von Streulicht, welches meist sehr störend wirkt, wird um den Schlitten eine Sperrholzverkleidung gebaut. Diese besteht aus folgenden Bauteilen:

    Sperrholzbrettchen:

    - konisch, untere Länge 13cm, obere Länge 10.5cm, Höhe 5.5cm

    - rechteckig, 3.0 x 11.0cm, 2 Stück

    - rechteckig, 11.0 x 5.5cm, 2 Stück

In Abbildung 12 wird gezeigt, wie die Verkleidung aussieht. Das richtige Finish gibt jedoch erst eine angebaute Beleuchtung. Die Abmessungen ergeben sich aus dem Format der Milchglasscheibe. Ihrer Größe entsprechend wird ein Holzkästchen von 8.5cm Tiefe aus Sperrholzbrettchen gebaut. Um den richtigen Halt zu gewähren, werden kleine Führungsleisten mit Haken beidseitig angeklebt. Seitlich wird in den Beleuchtungskasten ein kleines Loch  gebohrt, durch welches das Lampenkabel geführt wird. An der Innenseite wird die Fassung entweder angeschraubt oder angeklebt. Zur ausreichenden Lüftung werden Löcher in die Ober- und Unterseite gebohrt. Damit das Licht der 15-Watt-Bime möglichst diffus abstrahlt, klebt man zugeschnittene Alufolie auf die Innenfläche des Beleuchtungskastens. Wenn man nun seine Bilder betrachtet, wird man sich über eine starke Rottönung wundern, die durch die niedrige Farbtemperatur (um 3000 Kelvin) der Glühbirne im Gegensatz zum Tageslicht (um 5000 K) entsteht. Um dies auszugleichen, wird die Alufolie mit blauer Farbe, die schichtweise (nicht zuviel) aufgetragen wird. Die Glühbirne kann ebenfalls angepinselt werden. Der Betrachter ist fertiggestellt. Weitere Arbeiten verschönern lediglich das Äußere.
 

      Abb.12 Die Verkleidung

 

      Abb. 13  Der fertige Linsenbetrachter


Wie schon erwähnt, werden die Halbbilder in Kleinbildrähmchen gerahmt. Die Rähmchen werden nebeneinandergeklebt. Dazu eignet sich am besten Plastikkleber (UHU-plus). Die Vorteile hierbei liegen darin, daß einmal gerahmte Bilder nicht mehr vertauscht werden können, wie es beim Guckibetrachter leicht der Fall ist. Weiterhin entfällt das umständliche Hantieren mit jeweils zwei Dias. Ein Griff - und das Stereobild ist gewechselt.
Ideal sind glaslose Rähmchen mit Haftpunkten, die die Bilder gut fixieren. Ein guter Halt erspart ständiges Ausjustieren, denn meist verrutschen die Bilder in den üblichen Rähmchen.
Zu einer übersichtlichen Bildersammlung gehört auch ein vernünftiges Aufbewahrungssystem. Arbeitet man, wie zuvor beschrieben, mit zusammengeklebten Kleinbilddiarähmchen (5 x 5cm), so können diese in normalen Diamagazinen gelagert werden, sofern diese etwas umgebaut werden. Je nach Handwerkszeug muß man hierbei etwas mehr Aufwand treiben und etwas Geduld aufbringen. Jetzt heißt es erst einmal Platz schaffen für die 10 x 5cm großen Rähmchen.
Die Magazine bearbeitet man folgendermaßen: Bei einem um 900 gedrehten Magazin wird der nun oben liegende Rand entfernt. Hierbei erweist sich eine Schleifmaschine als sehr praktisch. Der überstehende Rand kann aber auch mit einem Teppichmesser entfernt werden. So werden beide Magazine bearbeitet.
Der Zusammenhalt beider Magazine wird durch Plastikstreifen, die als Abfallstücke zurückbleiben, gesichert. Auch hier dient wieder ein 10x5-Rähmchen als Maß. Je zwei an die Unterseite, beziehungsweise jeweils ein Plastikstückchen an Vorder- und Hinterseite geklebt, ergeben ein stabiles Gebilde. Damit sich das Magazin in die Magazinbox führen lässt, müssen aus dieser noch alle Stege mit einem Stecheisen entfernt werden. Nach guter Säuberung ist die Diakassette fertig. Zwar sind diese Bauabschnitte mit einiger Arbeit verbunden, doch sie macht sich letztendlich bezahlt.

 

          

      Abb. 14  Bearbeitung der Diamagazine


Das  Rahmen

Mehrere Faktoren können zu unangenehmen Betrachten führen, das heißt, die Augen fangen an zu schmerzen, oder was auch eintreten kann, es entsteht erst gar kein Raumeindruck. Neben falscher Handhabung der Kameras (Verkanten etc.) ist falsches Rahmen der Dias einer der Hauptgründe.

Einerseits kann man Rahmungsgeräte zu Hilfe nehmen oder aber folgenderweise vorgehen:
Wie bei der Aufnahme darf es auch bei dem gerahmten Bild keine Höhenfehler geben. Bei Verwendung der oben schon erwähnten Diarähmchen mit Klebepunkten lässt sich dieser leicht vermeiden. Dazu werden beide Halbbilder nach Augenmaß so genau wie eben möglich in die Rähmchenhälften mit Klebepunkt gelegt. Nun werden beide Bilder auf eine weiße Unterlage gelegt. Eine kleine Holzleiste dient hierbei als Anschlag, um die Rähmchen in der Höhe genau auszurichten. Dann werden die Bilder endgültig gerichtet. Als Orientierungspunkte dienen markante Strukturen auf den Bildern, wie zum Beispiel Senkrechten (Häuserwände, Bäume etc.) oder Waagerechten (Horizont etc.). Dank des genügend großen Spielraumes in den Rähmchen ist es auch möglich, seitliche Verschiebungen vorzunehmen. Diesen Verschiebungen sind aufgrund der Rähmchenmaße natürlich Grenzen gesetzt. Sollte dennoch ein größerer Ausgleich vonnöten sein, so müssen die Bilder an den Rändern beschnitten werden. Dazu legt man die ungerahmten Dias auf eine helle Unterlage, richtet sie, wie oben beschrieben, aus und schneidet den oberen (unteren, beziehungsweise seitlichen) Rand mit einem scharfen Messer ab.

 

Scheinfenster, Nah- und Fernpunkt

An dieser Stelle wird es noch einmal ziemlich theoretisch, aber beschäftigt man sich mit der Stereofotografie, so stößt man unweigerlich auf diese Begriffe.
Jedes Stereobild ist von einem Rahmen umgeben. Das Papierbild ist umrandet, bei dem Stereodia ist der Rahmen durch das Diarähmchen gegeben. Diese Umrandung, welcher Art sie auch sein mag, erscheint dem Betrachter als Fenster, durch das er das Bild betrachtet.
Je nach Rahmung der Bilder (ausgehend vom Stereodia) kann nun ein Gegenstand als vor oder hinter diesem Fenster gelegen erscheinen. Dieses Fenster bezeichnet man als Scheinfenster. Allgemein hat man sich darauf geeinigt, daß die Bilder hinter dem Scheinfenster liegen, beziehungsweise dieser Eindruck entsteht. Dies kann bei der Rahmung bewußt manipul iert werden, um so etwa bestimmte Effekte zu erzielen. Hierzu muß der Nahpunkt der Bilder größer als der Rahmenabstand sein. Analog dazu muß der Abstand der Nahpunkte kleiner als der Rahmenabstand sein, soll ein Gegenstand vor dem Scheinfenster liegen.

 

Abb.14 Richtiges Rahmen (Nahpunkt, Fernpunkt)

 

Als Nahpunkt ist der Punkt bezeichnet, an dem der im Stereobild am nahesten gelegene Gegenstand liegt. Der Punkt mit dem am weitesten entfernten Gegenstand heißt demnach Fernpunkt. Der Rahmenabstand ist die Entfernung von z.B. rechter Innenseite des rechten und rechter Innenseite des linken Rahmens, wenn diese nebeneinandergeklebt sind. Soll das Bild hinter dem Scheinfenster liegen, so muß der Nahpunkt etwa 0.1 mm größer als der Rahmenabstand sein.
Wie gerahmt wird, ob das Bild nun vor oder hinter dem Scheinfenster liegt, ist letztendlich Geschmackssache.

 

Die Kamera

Die ersten Aufnahmeversuche wurden bewusst mit nur einer Kamera gemacht, da diese Methode wohl von den meisten praktiziert werden kann. Außerdem eignet sich das Arbeiten mit nur einer Kamera insbesondere bei Nah- und Makroaufnahmen, da die Basis sehr klein gewählt werden kann, was bei normalen Stereokameras meist nicht der Fall ist.
Mit der Zeit erweist sich die Monokamera allerdings als recht unpraktisch, ja sogar unbrauchbar, für Aufnahmen bewegter Objekte, also für den alltäglichen Gebrauch. Ist keine Stereokamera verfügbar, so kann man noch mit einer Doppelkamera vorlieb nehmen. Diese wird aus zwei Kameras, gleich welcher Bauart, zusammengebaut. Zum Betrachten können

 

      Abb. 15  Doppelkamera aus zwei Kleinbildkameras


die zuvor beschriebenen Betrachter verwendet werden. Je nach verwendetem Filmformat ist es jedoch erforderlich, den Betrachter zu modifizieren. Beim Guckibetrachter hieße das, zum Beispiel bei zwei verbundenen Pocketkameras, Diabetrachter für Pocketformat zu verwenden. Für den Linsenbetrachter müsste der Abstand der beiden Führungsschienen verkleinert werden. Gerade der Linsenbetrachter bietet aufgrund seines Aufbaus die Möglichkeit, mehrere verschiedene Formate nebeneinander zu benutzen.

Zurück zur Doppelkamera.

    Benötigt werden:

      -  zwei Kleinbildkameras
      - zwei möglichst baugleiche 50mm-Objektive
      - ein Doppeldrahtauslöser
      - vier Rohrschellen, deren Größe sich nach dem Objektivdurchmesser richtet
      - vier kleine Drahtstifte oder Nieten (ca. 4cm lang)
      - Aluminiumleiste (1 x 12mm), U-Profil (20 x 10mm)
      - Verbindungsgestänge und vier Klemmen (in Model Ibaugeschäften erhältlich)
      - zwei Stativschrauben
      - Holzklotz (1 x 1 x 16cm)
      - zwei Holzschrauben und Sekundenkleber
      - etwas Geduld und handwerkliches Geschick

Die Kameraschiene ist so konzipiert, daß die Kameras nebeneinander stehen. Daraus ergibt sich, daß die Bilder später im Querformat sind. Natürlich ist es ohne weiteres möglich, diese Konstruktion auch für Bilder im Hochformat zu bauen, oder sogar, mit entsprechendem Aufwand, eine Kippvorrichtung anzufertigen, die beide Formate ermöglicht. Ich habe beide Schienen, sowohl für Hoch- als auch für Querformat, ausprobiert. Da eine Kippvorrichtung zu aufwendig ist, und die Schiene dadurch an Stabilität verliert, mache ich fast nur Querformatbilder.
Die Kamerabasis wird durch die Gehäusemaße der verwendeten Kameras vorgegeben. Dadurch bedingt ist die Doppelkamera meist nicht für Nahaufnahmen geeignet. Bei Verwendung von Nahlinsen wäre der Parallaxenfehler zu groß. Als Kameraauflage dient eine U-förmige Profilleiste. Nachdem der Abstand der Stativgewinde beider Kameras voneinander gemessen worden ist, werden in die Profilleiste zwei Löcher in diesem Abstand gebohrt. Hierbei ist darauf zu achten, daß die Löcher leicht zu einem Rand versetzt gebohrt werden, um genügend Platz für die Gewindeschrauben (s. Abb. 16) zu haben, die später zur Befestigung der Kameras dienen. Zur weiteren Stabilisierung dient eine Aluminiumleiste, die vor der Profilleiste angebracht wird. Diese gewährleistet, daß die Kameras immer parallel ausgerichtet sind.
Diese Leiste ist etwas höher als die Profilleiste und dient somit als Anschlag. Dadurch liegen bei den meisten Kameras jetzt die Stativgewinde hinter der Mittellinie der Profilleiste. Sind die Löcher gebohrt (vor Anbringen der Anschlagleiste), so müssen noch Aussparungen in die Profil leiste gefeilt werden, damit die Stativschrauben genügend Spielraum haben.

 

Abb.16 Bearbeitung der Profilleiste

 

Die Anschlagleiste wird, nachdem sie gut gesäubert worden ist, mit Sekundenkleber befestigt. Somit ist der Grundaufbau fertiggestellt. Mit dem Doppeldrahtauslöser wäre die Konstruktion nun schon funktionsfähig, aber aufgrund des Gewichtes wäre sie sehr unhandlich. Dem kann man anhand folgender Erweiterungen Abhilfe schaffen. Der Pistolengriff kann entweder als Fertigteil montiert, oder aber aus einem Holzklotz oder ähnlichem (Rundholz) angefertigt werden. Da sich das Holz leicht mit einer Raspel bearbeiten lässt, ist es nicht allzu schwer, dem Griff eine anatomische Passform zu geben.
Da der Auslöser auf der rechten Seite zu liegen kommt und somit die Entfernungseinstellung durch die linke Kamera vorgenommen wird, sollte der Handgriff für die linke Hand sein. Später können dann alle Einstellungen beziehungsweise Kamerabedienungen mit der rechten Hand gemacht werden.
Der Griff wird in die Profilleiste eingepasst und mit Holzschrauben befestigt. Als Halterung

 

      Abb.17 Der Pistolengriff


für den Doppeldrahtauslöser wird ein kleines Stück Profilleiste nach Abb. 18 bearbeitet und kann so unterhalb der Profilleiste mit der rechten Stativschraube angeschraubt werden. Der von mir verwendete Auslöser ist zerlegbar und wurde nach Abb.18 mit dem Halter verschraubt.

 

 

Abb. 18  Die Halterung für den Doppeldrahtauslöser

 

Der letzte Schliff kommt jedoch erst durch eine Synchronisation von Blende und Entfernungseinstellung beider Kameras. In die Rohrschellen, deren Abmessungen der Breite von Blenden- und Entfernungseinstellring sowie deren Umfang entsprechen sollten, werden Löcher gebohrt, sodass etwa 4cm lange Nieten beziehungsweise Metallstifte durch diese passen. Die Nieten werden angelötet und danach am Ende flachgehämmert. Über dieses flache Ende wird später die Klemme (s. Abb. 19) gesteckt. Dazu müssen jedoch noch Löcher in die Nietenenden gebohrt werden. Es kann erforderlich sein, das Ende noch etwas abzufeilen, um genügend Spiel für die Klemmen zu erreichen. Auf die Schelleninnenseite wird nun ein dünner Leder- oder Stoffstreifen geklebt, damit die Schelle nicht verrutschen kann. Die Schelle wird nun auf das Objektiv aufgeschraubt und so ausgerichtet, daß nach Montage aller Schellen alle Nieten senkrecht nach unten weisen, wenn Entfernung und Blende auf mittlere Werte eingestellt sind. Als nächstes wird anhand des nun vorgegebenen Abstandes der Objektive zueinander die Länge des Synchronisationsgestänges gemessen. Klemmen und Gestänge werden miteinander verlötet. Kleine Korrekturen können an den Gewinden der Klemmen vorgenommen werden. Wenn alles richtig gemacht worden ist, so stehen die Nieten in Mittelstellung senkrecht nach unten, und die Gestänge laufen horizontal.

Möchte man die Doppelkamera einmal ohne Sucher verwenden, so erweist sich eine kleine Wasserwaage als nützliche Erweiterung. Sie kann an die Rückseite des Handstückes geklebt werden.

 

      

      

    Abb. 19  Synchronisation der Kameras

 

Somit wäre das Stereosystem Marke ,,selbst gebaut" fertiggestellt. Text und Bilder stellen lediglich einen Weg dar, und es kann je nach Kameratyp erforderlich sein etwas anders vorzugehen. Weniger aufwendig gearbeitete Halterungen reichen oft auch aus (s.Abb.20).
Jetzt ist es ohne weiteres möglich, Stereoaufnahmen bewegter Objekte zu machen. Die zum Augenabstand relativ große Basis von etwa 14 cm bewirkt eine etwas stärkere Raumwirkung, die mitunter etwas übertrieben wirkt (im Nahbereich), erweitert aber auch gleichzeitig den Entfernungsbereich, in dem eine Abbildung überhaupt noch räumlich wirkt. Weitere Verbindungsmöglichkeiten zum Bau von Doppelkameras werden von F.G.Waack in seiner Broschüre ,,Stereofotografle" beschrieben, auf die ich aus diesem Grunde nicht weiter eingehe. Abschließend lässt sich noch sagen, daß Pocketkameras oder ähnliche Geräte den Vorteil haben, daß sie wesentlich leichter und meist auch handlicher sind. Mittelformatkameras, die ähnlich der oben beschriebenen Methode zusammengebaut werden, bieten meist eine geringere Aufnahmebasis. Stereobilder im Mittelformat bestechen durch ihre Farbbrillanz, und außerdem stellt sich hier nicht die Frage, ob Hoch- oder Querformat.

 

          

        Abb.20 Doppelkamera (Rolleiflex, Minox)

Anschließend werden noch zwei weitere Verfahren beschrieben, die zu den wenigen heute noch verfügbaren zählen, das heißt, die Geräte sind im Handel erhältlich!

 

Der Spiegelvorsatz

Wem die Doppelkamera zu aufwendig ist, der kann sich auch noch anders behelfen. Einige Firmen bieten Spiegelvorsätze an, die vor ein Normalobjektiv geschraubt werden. Dieser Vorsatz teilt den Strahlengang, und es werden zwei HaIbbiIder im Hochformat (halbes Negativformat) gemacht. Zum Betrachten ist ein spezieller Betrachter erforderlich, in dem der Strahlengang wiederum durch Spiegel geteilt wird. Die Vorteile liegen klar auf der Hand:

      man benötigt nur eine Kamera
      auf einen 36er Kleinbildfilm werden 36 Stereobilder belichtet
      keine aufwendigen Umbauten

Meines Erachtens ist der Spiegelvorsatz nicht die schlechteste Lösung. Dennoch bevorzuge ich die umständlichere Methode, da die Ergebnisse eindeutig besser werden, und der finanzielle Aufwand ist geringer - bis auf den Filmverbrauch.


          

        Abb.21 Der Spiegelvorsatz

 

Die Nimslo

          

        Abb.22 Die Nimslo-3D-Kamera

Lange hat sich auf dem Stereokamerasektor nichts getan, bis im Jahre 1980 eine etwas eigenwillige Kamera auf den Markt kam. Eigenwillig deshalb, weil sie eine Kamera mit vier Linsen ist, die nebeneinander angebracht sind. Es werden vier 24 x 18mm große Negative auf jeweils zwei Kleinbildnegativen gemacht, das heißt es können 18 Stereobilder auf einem 36er Kleinbildfilm gemacht werden. Nicht nur das Äußere unterscheidet sich von den „konventionellen" Stereokameras, sondern auch die Trennung der Teilbilder. Betrachtet werden die Stereobilder als Farbpositive, auf die ein spezieller Linsenraster aufgebracht ist. Dessen Mikrorillen bewirken, daß jeweils nur bestimmte Abschnitte der vier Teilbilder gesehen werden. Die Bilder ähneln den Postkarten mit gerillter Folie, die einen Pseudo-3D-Effekt liefern. Nachteile der Positive sind ein relativ hoher Preis und aufwendige Verarbeitungstechniken, die nur in dafür vorgesehenen Entwicklungsanstalten vorgenommen werden können. Daraus ergibt sich eine oft überaus lange Wartezeit auf die Bilder.
Darüber hinaus lässt sich die Nimslo auch als Stereokamera für ein 24 x 18mm Negativformat verwenden. Hierzu werden jeweils nur die äußeren Teilbilder der insgesamt vier benötigt.
Diese werden im Spiegelbetrachter oder im Linsenbetrachter angesehen. Dies ist meines Erachtens eine recht gute Lösung, da die Nimslo sehr kompakt ist, Kleinbildfilm verwendet wird und die Kamera eine Belichtungsautomatik besitzt. Wird sie als Stereokamera mit zwei Halbbildern eingesetzt, kann Diafilm mit 100 und 400 ASA verwendet werden.
Abgesehen von der Tatsache, daß dann nur 18 Stereobilder auf einem 36er Film gemacht werden (zwei der Bilder werden verworfen), ist die Nimslo für den Einsteiger eine gute Alternative zur Mono- beziehungsweise Doppelkamera.
Auf dem deutschen Markt konnte sich die Nimslo, deren Väter Jerry Nims und Allen Lo heißen, nicht recht behaupten. Dies mag einerseits am System selbst, andererseits aber an einem sehr hohen Preis gelegen haben. Der Preis für eine Kamera lag zwischen DM 400 und DM 500. Inzwischen wird die Nimslo mitunter für weniger als DM 200 angeboten, wodurch sie als Stereokamera eigentlich recht interessant wird.

Stereosystem selbst gebaut